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Kleiner Stern

Kinderbuchtext  - 29.12.1996
(Illustration still in progress)

 

Einmal fiel durch ein himmlisches Versehen ein sehr kleiner und scheuer Stern auf die Erde nieder.

 

Das Sternchen landete in einem kleinen Wäldchen, wo es bis Tagesanbruch auf einem kleinen Fleckchen Moos sehr weich und ruhig schlief. Die erwachenden Mooshälmchen räkelten sich und kitzelten es an den Spitzen seiner vielen Strählchen. Lächelnd räkelte sich auch das Sternchen und machte sich auf, seine neue Umgebung zu erkunden.

 

Es ließ sich eine kleine Anhöhe hinab rollen, hüpfte über Ästchen und Erdkrümchen und saß schon nach einer kurzen Wegstrecke zwischen kleinen Blümchen, die ihm sehr sympatisch waren, denn ihre gelben Blütenblätter glänzten auch.

 

Ein Rinnsal frischen Tauwassers trug es bis zu einer hölzernen Brücke. Diese führte über einen schmalen, klaren Bach, der sich durch die Wiesen schlängelte und hoch bewachsen war mit allerlei Gräsern und an dessen Seite hier und da ein buschiger Strauch gerade in Blüte stand.

 

Das Sternchen kletterte die Brücke hinauf – auf den ersten Holzbalken. Es holperte voran bis es soweit auf die Brücke hinaus kam, dass es das Flüßchen erreichte und schaute hinein.

 

Der kleine Fluß plätscherte unter ihm in sanften Wogen dahin und ihr schöner Gesang machten es sehr ruhig.

Das Sternchen setzte sich nieder, schloß die Augen und lauschte.

 

Als es nach einer langen Weile unter sich in den Bach blickte, sah es hunderte kleine funkelnde Sternchen auf den Wogen tanzen.

Der Tanz der kleinen Wassersternchen war so lustig, dass unser Sternchen vor Freude so stark leuchtete, dass seine Strahlenenden glitzerten und ihm himmlisch warm wurde.

 

Das Sternchen saß dort und nahm seine Augen nicht von dem glänzenden Tanz der Geschwister,

lauschte fort und fiel  ----  in tiefen Schlaf.

 

Als es erwachte, konnte es sich erst nicht daran erinnern, wo es war. Dann erinnerte es sich. Es schaute um sich und erschrak plötzlich. Neben sich auf dem Holzbalken erblickte der kleine Stern etwas Fürchterliches: etwas Dunkles, ein dunkelgraues Sternenbild.

Er starrte das dunkle Etwas an. Das dunkle Etwas starrte ihn an. Er trat einen Schritt zu Seite. Das Etwas trat ebenfalls zur Seite. Er rollte sich zweimal nach hinten. Das Etwas rollte ebenfalls zweimal nach hinten, ebensoschnell.

 

Von panischer Angst ergriffen rannte das kleine Sternchen nun so schnell es konnte über die Brücke, vorbei an Sträuchern, den Weg entlang. Als ihm die Puste ausging, hielt es inne und erschrak; das dunkle Etwas war neben ihm. Sofort rannte es weiter. Es schaute sich um, das fürchterliche Etwas war fort. Es blieb stehen, da war das Etwas wieder neben ihm. Um das dunkle Etwas abzuhängen, rannte der kleine Stern, rannte, rannte Berge hinauf und hinunter, über die Erde, über Land und durch Wälder.

 

Ermüdet sank das Sternchen mitten auf dem Weg in sich zusammen.

 

Es öffnete die Augen, klimperte mehrmals mit den Lidern, kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen, schaute in jede Richtung um sich. Das dunkelgraue Fürchterliche war nicht mehr da.

 

Da gähnte neben dem Sternchen auf dem Weg ein dicker Kiesel, der auch da lag und ermattet schlief das Sternchen ein.

 

In dieser Nacht fegte ein ausgesprochen heftiger Sturm über das Land, las das Sternchen vom Wege auf und trug es mit sich fort – wieder dorthin zurück, von wo es versehentlich verloren gefallen war.

 

Es funkelte fort an seinem Platz. Hin und wieder zwinkerte es dem Mond zu.

 

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